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Der russische Präsident in Griechenland

Der russische Präsident in Griechenland

Putin auf dem Berg Athos

Putins Besuch hat in Athen Hoffnungen auf grosse Investitionen geweckt.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras geht in eine weitere schwierige Woche – mit Preissteigerungen durch die neuerliche Anhebung der Mehrwertsteuer zum 1. Juni und nachträglichen Korrekturen am jüngsten Sparpaket, die insbesondere Bezieher von kleinen Pensionen betreffen. Auf den europaweiten Rekord von 87 Milliarden Euro beziffert der Internationale Währungsfonds die Steuerschulden der Griechen, wie am Sonntag bekanntwurde. Umso mehr versucht die Regierung deshalb, den Prestigegewinn und die wirtschaftlichen Hoffnungen herauszustreichen, die der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin am vergangenen Wochenende mit sich brachte.

«Entscheidung für Russland»

«Ihr Besuch legt die Grundlagen einer sehr bedeutsamen Beziehung zwischen den zwei Ländern und unseren Völkern», hatte Tsipras dem Kremlherrn zum Abschied auf den Stufen der Villa Maximou gesagt. Der linksgerichtete griechische Regierungschef ging zuvor sogar so weit, von einer «strategischen Entscheidung» Griechenlands für Russland zu sprechen. Die Sanktionen der EU gegen Russland, die seit der Annexion der Krim und dem Beginn des Kriegs in der Ostukraine gelten, nannte Tsipras «nicht produktiv».

Putin traf verspätet am Freitagnachmittag in Athen ein und konferierte bis zum späten Abend mit der Regierung Tsipras und dem griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos. Sieben Minister und die Chefs von Gazprom und Rosneft begleiteten den russischen Präsidenten auf einer seiner selten gewordenen Reisen in die EU. Am Samstag flog Putin nach Thessaloniki und fuhr von dort in die Mönchsrepublik auf dem Berg Athos. Man habe Russland schliesslich die orthodoxe Religion gegeben, wird in Regierungskreisen in Athen grosszügig vermerkt. Mit der Taufe von Olga von Kiew Mitte des 10. Jahrhunderts bei einem Besuch in Konstantinopel begann die Christianisierung der Russen.

Die russischen Besucher unterzeichneten eine Reihe von Memoranden sowie zwei Erklärungen über den politischen Dialog und über den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen. Das mehrheitlich staatliche russische Mineralölunternehmen Rosneft vereinbarte mit Hellenic Petroleum eine Ausweitung der Öllieferungen. Putin warb zudem für eine neue Gasleitung über Griechenland nach Italien.

Russlands Präsident unterstrich auch das Interesse an den Privatisierungen in Griechenland, insbesondere am Kauf der hochverschuldeten Staatsbahn und des Hafens von Thessaloniki. Ausserhalb der Athener Regierungskreise überwiegt allerdings die Skepsis. «Die Russen sind interessiert, aber sie kaufen nie», war etwa der Bericht einer Tageszeitung überschrieben. Tsipras konnte zudem seinem Gast offenbar erneut kein Zugeständnis beim Embargo landwirtschaftlicher Produkte aus der EU abringen. Dieses trifft auch griechische Obstbauern recht hart.

So scheint die Hoffnung auf Grossinvestitionen Russlands im rezessionsgeplagten Griechenland noch eine Chimäre zu sein und weit mehr in der Tradition griechischer Wunschvorstellungen von der russischen Rettung zu stehen. Die wurden regelmässig enttäuscht: Die Waffenhilfe des Grafen Orlow gegen die Osmanen im 18. Jahrhundert blieb ebenso aus wie Stalins Unterstützung für die Genossen im griechischen Bürgerkrieg oder der Milliardenkredit, den Tsipras im vergangenen Jahr in Moskau vergeblich gesucht hatte.

Geopolitische Ansprüche

Die Reise in eines der schwächsten EU-Länder war dabei für Putin nützlich. Zum einen gab der russische Präsident damit innerhalb Europas den Befürwortern einer Aufhebung der Sanktionen weiter Auftrieb. Zum anderen bekräftigte er die geopolitischen Ansprüche Russlands. Eine offensichtlich bestellte Frage einer russischen Journalistin beim kurzen Auftritt mit Tsipras vor der Presse diente Putin dazu, Drohungen gegen die Nato-Länder Rumänien und Polen auszusprechen. Dort werden die Elemente eines Raketenabwehrsystems der USA errichtet. Putin kündigte in Athen «Gegenmassnahmen» an.

                                                                                                                                                                                                 Quelle: nzz.ch