Urlaub bis zum Umfallen

Urlaub bis zum Umfallen

Griechenlands Hoteliers jubeln über Rekordumsätze 
bei den Beschäftigten aber kommt wenig davon an. Tarifverträge werden ausgehebelt, Saisonkräfte hausen in Containern. Nun droht Streik zur Hochsaison.
Die griechische Tourismusbranche floriert. In diesem Jahr werden rund 30 Millionen Urlauber erwartet, mehr als jemals zuvor. Statistisch gesehen kommen damit 2017 auf jeden Griechen etwa drei Touristen.

"Jedes Jahr brechen wir neue Rekorde", sagte Premierminister Alexis Tsipras neulich hocherfreut vor Hotelmanagern. Sein Enthusiasmus ist nachvollziehbar. Der Tourismus wird Griechenland in diesem Jahr voraussichtlich 14 Milliarden Euro aus dem Ausland einbringen - eine überlebenswichtige Stütze für die krisengeschüttelte Wirtschaft des Landes.

Doch den Preis zahlen viele der mehr als 340.000 Beschäftigten der Branche. Die Arbeitstage sind lang, die Gehälter gering. Viele Griechen werden illegal beschäftigt, haben keinen Versicherungsschutz und können leicht gefeuert werden. "Die Rekorde und Gewinne basieren auf überarbeiteten, ausgebeuteten Angestellten, von denen viele umfallen vor Erschöpfung", sagt Kyriakos Tsaousis, Chef einer Touristik-Gewerkschaft im Norden Griechenlands.

Tourismus- und Gastronomie-Gewerkschaften haben für Donnerstag einen landesweiten Streik angekündigt, um auf die derzeitigen Zustände in der Branche aufmerksam zu machen. Es ist der erste Streik im Tourismussektor seit 2012. Panagiotis Prountzos, Präsident des Dachverbands der Tourismus-Gewerkschaften, glaubt an einen Erfolg des Arbeitskampfs: "Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich so schnell, wir können nicht länger schweigen."

Die Missstände öffentlich zu machen ist für viele Beschäftigte aber ein Problem. Sie fürchten um ihre Jobs. Diese Angst spiegelt sich in der Tatsache wider, dass von mehr als einem Dutzend vom SPIEGEL befragten Angestellten der Reisebranche kein Einziger bereit war, mit seinem Namen zitiert zu werden. "Ich habe eine Familie zu versorgen", sagen viele als Begründung.

Die Ausbeutung im Tourismussektor hat unterschiedliche Formen:

Unsicherheit und Überlastung: Eine Kellnerin eines Hotels in Chalkidiki, einem beliebten Reiseziel im Norden, arbeitet seit Beginn der Urlaubssaison 7 Tage die Woche und 12 Stunden pro Tag. "Ohne einen einzigen freien Tag", sagt sie. Wie viele ihrer Kollegen ist sie nur saisonal beschäftigt: Ende September wird sie wieder auf die Straße gesetzt. Den Rest des Jahres muss sie über die Runden kommen mit drei Monaten Arbeitslosengeld und dem, was sie über den Sommer von ihrem Monatsgehalt von 700 Euro beiseitelegen konnte.
 
                                                                                                                                                                               
                                                                                                                                                                           Quelle: Spiegel.de

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